Von Babel nach Jerusalem
Kindersingfestival mit Rekordteilnahme

Das 3. badische Kindersingfestival fand am 7. Juni in Villingen statt- wer es erlebt hat, dem ist um die Zukunft des kirchlichen Singens nicht bange. Der erste Rekord wurde mit der Teilnehmerzahl aufgestellt: 900 Kinderchorkinder aus ganz Baden kamen als fröhliche muntere Schar mit ihren Begleitern in der Tonhalle an- deutlich mehr als bei den ersten beiden Kindersingfestivals in Pforzheim und Sinsheim. Empfangen wurden sie von einer großen und sehr gut organisierten Helferschar um Bezirkskantorin Heike Hastedt aus Villingen. Jeder bekam eine orangefarbene Schirmmütze, die erwachsenen Begleiter auch noch eine Infomappe und der Tag konnte beginnen.
Auf der Bühne erblickten die gespannten Besucher schon eine Begleitband unter Leitung von Bezirkskantor Traugott Fünfgeld. Er hat extra für diesen Tag in Rekordzeit das Musical „Von Babel nach Jerusalem“ geschrieben. Den Text hatte die Vorbereitungsgruppe des Landesverbandes mit dem Vorsitzenden Gero Albert, Kantorin Dorothea Lehmann-Horsch, Landeskantor Kord Michaels, Kantorin Heike Hastedt, Frau Hildbrandt aus Villingen und Axel Becker verfasst.
Farbenprächtig auch das Bild der Hauptakteure auf der Bühne: die Lutherspatzen aus Karlsruhe und die Kurrenden aus Pforzheim haben den musikalischen Hauptpart des Musicals auf der Bühne gesungen und dargestellt. Die musikalische Leitung hatte am Vormittag Dorothea Lehmann- Horsch und am Nachmittag Kord Michaelis.
Für die teilnehmenden Kinderchöre war es ein tolles Erlebnis, sofort nach der Ankunft ohne große Probe in das Musical einzusteigen. Einige Refrains und Liedverse waren vorher verschickt worden, so dass alle mitsingen konnten. Im ersten Teil des Musicals ging es um den Turmbau zu Babel: im Streit um den schönsten, stärksten, erfahrensten und besten Baumeister wurde das Ansinnen, ein großes Bauwerk zu errichten, zunichte. Die vier Völkerstämme der Chinesen, Orientalen, Cowboys und Brasilianer gerieten sich dabei ganz schön in die Haare. Besonders ansprechend waren die liebevoll gestalteten Kostüme der Lutherspatzen aus Karlsruhe und die sorgfältig choreografierten Tänze der einzelnen Völker – wie die vier Jungs im Grundschulalter ohne mit der Wimper zu zucken vor einer vollbesetzten Halle einen „Countrydance“ hinlegten- das beeindruckte viele Chorleiter, die Mühe haben diese Altersgruppe im Kinderchor zu halten. Vorbildlich auch die vielen Bewegungen, mit denen die Lieder inszeniert waren. Das Karlsruher Mitarbeiterteam hatte extra einige Erwachsene als „Bewegungsmultiplikatoren“ vor die Bühne gestellt, so dass auch hier alle sofort mitmachen konnten.
Die vielen Kartons, mit denen jede Völkergruppe am großen Turm weitergebaut hatten, fielen schließlich im Streit zusammen – und der erste Teil des Musicals war zu Ende.
Nun ging es in verschiedene Räumlichkeiten in Villingen, um in Gruppen von ca. 30 Kindern an workshops teilzunehmen. Die Organisation der vielen Ehrenamtlichen klappte reibungslos und ist wohl nicht mehr zu übertreffen: es war immer ein ortskundiger Betreuer bei der Gruppe und alle Fragen vom Busparkplatz über Mittagessen waren gut gelöst. An allen Stellen stand Mineralwasser für die Durstigen bereit. Die workshops wurden geleitet von Kantorinnen und Kantoren der Landeskirche – es waren so viele, dass fast eine Kantorenkonferenz hätte stattfinden können – auch hier ist eine deutliche Steigerung zu beobachten: Kinderchorarbeit ist eine wichtige Säule hauptamtlicher Kirchenmusikerstellen geworden. Die Kinder lernten in den workshops die Lieder für den zweiten Teil des Musicals kennen und die Chorleiter konnten den einen oder anderen heißen Tipp für Ihre Arbeit zu Hause mitnehmen. Dann wurde – wieder unter engagierter Anleitung der Villinger – eine Kopfbedeckung für die Schlussveranstaltung gebastelt. Dann ging es zum Mittagessen (Spaghetti mit verschiedenen Soßen) und zum Austoben auf die Spielstraße. Diese wurde von den Chormitgliedern aus Villingen organisiert und war in der ganzen Fußgängerzone aufgebaut. Den Kindern hat es großen Spaß gemacht beim Jonglieren und Schiffchenbauen, beim Bobbycar-Rennen und Seilhüpfen und vielen anderen Angeboten zu entspannen. Interessant auch die neugierigen Blicke der Villinger Bevölkerung angesichts dieser fröhlichen orange-farbenen Invasion.
Schließlich versammelten sich alle wieder in der Tonhalle. Unter der Leitung von Landeskantor Kord Michaelis wurden einige Lieder für den Schlussteil des Musicals angesungen.
Nach einer kurzen Pause sprach Landesbischof Dr. Ulrich Fischer ein Grußwort. Er stellte dabei einen Bezug zur beginnenden Fußball- EM her: 'Auch da heißt es: Wir sind die Größten! Was uns unterscheidet: Jesu Geist führt zur Verständigung und zum Miteinander'. Der Landesbischof dankte in seinem Grußwort allen, die Woche für Woche in den Gemeinden Kinderchorarbeit machen und die Kinder für das Singen und die biblische Botschaft begeistern. Er verriet dabei, dass er selbst vor 24 Jahren in einer Gemeinde in Heidelberg einen Kinderchor geleitet hat. 'Kinderchorarbeit hat mir großen Spaß gemacht!'.
Höhepunkt des Kindersingfestivals war die einstündige Schlußveranstaltung, in der sich die inzwischen zu den vier Völkerstämmen verwandelten Kinder noch einmal heftig stritten, bevor man sich in Erinnerung an Jesu Geist versöhnte. Die Steine des eingestürzten Turms wurden dann zu einem gemeinsamen Friedenstor gebaut. Lieblingslied der Kinder war der Streit-Rap, der in dem energischen Ruf endet:' Hey, ihr Clowns, der Platz wird knapp, zieht am besten wieder ab!' und das gemeinsame Schlußlied 'Wir brauchen garnicht weit zu gehn!'. Erfüllt und dankbar fuhren die teilnehmenden Kinder wieder in ihren Bussen nach Hause - manche sangen während der ganzen Fahrt weiter. Die Kinder waren aus der ganzen badischen Landeskirche gekommen, aus Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg und Pforzheim, aus dem Schwarzwald und der Rheinschiene aber auch den weiten Weg aus Boxberg oder dem Kraichgau. Die weiteste Reise hatte jedoch der Mädchenchor Mertuuli aus Finnland, der in Lahr auf Konzertreise weilte und von dem dortigen Kinderchor kurzerhand mit aufs Kindersingfestival mitgenommen wurde.
Allen, die an der Vorbereitung und Durchführung des Kindersingfestivals in ehrenamtlicher Arbeit (oft zusätzlich zu schon übervollen Deputaten) beteiligt waren, gebührt großer Dank: der Vorbereitungsgruppe des Landesverbandes, den Villinger Helfern um Bezirkskantorin Heike Hastedt,
Traugott Fünfgeld für die Komposition des Musicals, Dorothea Lehmann- Horsch und Kord Michaelis mit ihren Kinderchören für die tolle Darstellung auf der Bühne und allen Chorleitern und Begleitern aus den teilnehmenden Chören.
Susanne Moßmann

S. Moßmann
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