Berichte vom Chorfest

Freitagabend, 18 Uhr: Empfang der geladenen Gäste im Lichthof des Rathauses Pforzheim, der den Altbau mit dem Neubau des Rathauses verbindet. Ein schönes Ambiente und gut geeignet für diesen Anlass. Der Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim Gert Hager sprach ein Willkommen für die Gäste in seinem Hause und in seiner Stadt aus. Ebenso begrüßte Oberkirchenrat Dr. Matthias Kreplin als oberster Chef der Kirchenmusik im EOK die Anwesenden.
Redebeiträge folgten von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer, der auf seinen letzten Landeskirchengesangstag in seiner Amtszeit verwies, Prälat Dr. Traugott Schächtele, gefolgt von Pfr. Gero Albert, der als Landesobmann der Kirchenchöre im Wesentlichen auf die Veranstaltung selber einging. Tenor aller Reden war natürlich der Gesang, dem sich alle verpflichtet fühlen und den sie auch aktiv betreiben.
Die musikalische Umrahmung übernahm ein Vokalsextett der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg. Die Studenten sangen Werke von Monteverdi, Morley und Hassler. Wunderschön, klar und rein klangen die Stimmen in den Lichthof, untermalt von der Orgel durch Andreas Schneidewind, der auch die Leitung inne hatte.
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion eröffnete Oberkirchenrätin Dr. Petra Bahr, Kulturbeauftragte der EKD, mit einem Referat über „Das Kampflied der Reformation zur ökumenischen Singgemeinschaft“ die Runde. Sie beschrieb sehr ansprechend und anregend den Werdegang unserer Lieder von Luther bis zu Szenechören in Berlin. Die anschließende Diskussion darüber wurde von Uwe Schulz vom WDR professionell geleitet. Er verstand es hervorragend die Gesprächsteilnehmer Christian Höppner, Vizepräsident des Europ. Musikrates, Dr. Hendrik Stössel, Studienleiter in der Melanchthonakademie Bretten und Frau Bahr zu Wort kommen zu lassen und auch die Zuhörer einzubeziehen.
Um 20.30 Uhr begann dann die Aufführung der Schöpfung von Joseph Haydn auf dem Waisenhausplatz. Oratorien- und Motettenchor bildeten zusammen mit dem Bachorchester Pforzheim unter der Leitung von Kord Michaelis einen hervorragenden Klangkörper. Ebenso brillierten die Solisten. Bei herrlichem Wetter und vollen Zuschauerrängen war es ein gelungener Auftakt zu einem besonderen Wochenende.

Samstag, Kinderprogramm: Ab 10 Uhr trafen auf dem Waisenhausplatz Kindergruppen ein; aufgeregt, neugierig, erwartungsvoll, gespannt. Die Gruppen wurden eingeteilt in "farbiges Gemüse" und "farbiges Obst", bekamen ihr entsprechendes Täfelchen mit dem Laufzettel und ihre Betreuungsperson zugewiesen. Auf ging’s in die Stadtkirche. Landesjugendpfarrer Thomas Schalla begrüßte Kinder und Erwachsene in der vollbesetzten Kirche. Dabei bekam man einen kleinen Einblick, aus welchem Teil Badens die Kinder angereist waren. Da kamen Gruppen aus Überlingen, Freiburg, Mannheim, Weinheim, Kehl, Eberbach und, und, und. Viele waren aus dem mittelbadischen Raum (für sie war es ja nicht so weit). Nun begann der erste Teil des Kindermusicals „Gesprengte Ketten“ von Klaus Heizmann, das Pforzheimer Kinderchöre einstudiert hatten. Die zuschauenden Kinder hatten als "Hausaufgabe" drei Lieder eingeübt, die in diesem Stück vorkamen und die sie dann an gegebener Stelle mitsingen konnten. Das hat Spaß gemacht, hier aktiv mitzuwirken.
Danach begaben sich die Gruppen anhand ihrer Laufzettel zu verschiedenen Stationen. Unsere Gruppe, die "orangenen Erdbeeren", hatte als erstes Ziel die Spielstraße im Blumenhof. Dort wurden wir von der Evangelischen Gemeindejugend, die sich hierfür verantwortlich zeigte, herzlich begrüßt – und die Kinder konnten leider gar nicht alles ausprobieren, was hier aufgebaut war. Sogar beim Überqueren der Straße gab es Hilfeleistung von der EGJ. Denn nun war Mittagessen im Luthergemeindehaus angesagt. Was könnte es Besseres geben für die Kids, als Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesankäse?

Unser nächster Programmpunkt hieß Hebelgymnasium. Dort hatten wir zuerst eine Singstunde, um noch Lieder fürs Musical – zweiter Teil – zu proben, aber auch drei Lieder, die wir beim Festgottesdienst um 17.00 Uhr mitsingen sollten. Nach diesem Kopfprogramm gab's was für die Hände. Alle Kinder bastelten einen Vogel. Buntstifte, Scheren, Uhu und Papier lagen bereit. Nun war es Sache der Kinder die Vögel zu gestalten. Will ich ihn mit Federn oder Stoffen bekleben? Nein, doch lieber anmalen! Oh, mein Flügel sitzt nicht richtig! Kannst du mir beim Aufhängen helfen? Irgendwann waren die Probleme fast gelöst und wir mussten uns auf den Weg zurück zur Stadtkirche machen. Es war ein besonders schöner Anblick, die Kindergruppen durch die Stadt laufen zu sehen. Sie fielen auf durch Gesang, Fröhlichkeit und manche auch durch einheitliche rote, blaue, gelbe usw. T-Shirts.
15.30 Uhr: Zweiter Teil des Musicals. Die Kinder waren gespannt, wie die Geschichte mit Paulus und Silas zu Ende ging. Danach wanderten alle in den Stadtgarten. Verschwitzt, müde und durstig kamen wir an, denn das schöne Wetter war auch anstrengend. Nun konnte man sich ausruhen, Wasser trinken, Eis essen oder spielen, kurzum wir verbrachten dort eine angenehme Zeit bis zu unserem Gottesdiensteinsatz.
Nach der Predigt des Landesbischofs kamen die Kinder zum Gottesdienst dazu. Sie sangen die Oberstimme bei dem Lied „Lobe den Herren“, nahmen am Abendmahlsgeschehen teil und sangen auch die beiden Schlusschoräle mit. Es war ein langer Tag für die Kinder, vollgepackt mit verschiedensten Erlebnissen, so dass am Ende viele richtig geschafft waren, doch muss man den Verantwortlichen ein großes Kompliment machen. Alles war toll organisiert, vorbereitet und durchdacht!

Karin Gabriel

"5000 Stimmen – eine Botschaft", so stand es auf der Einladung zum "Chorfest Baden" in Pforzheim. Da darf natürlich als früher Kronzeuge des Singens und Musizierens der Doctor Martinus Luther zitiert werden: "Die edle Musik ist der höchste Schatz auf Erden. Sie regiert alle Gedanken, Sinn, Herz und Mut". Neudeutsch übersetzt ins 21. Jahrhundert könnte das so heißen: "Singen stärkt das Immunsystem, fördert die emotionale Intelligenz, verstärkt die Ausschüttung von Glückshormonen und fördert die Gemeinschaft."
Das ließ sich unser Singkreis nicht zweimal sagen, und so fuhren einige von uns bereits am Freitag nach Pforzheim und blieben dort bis zum Sonntag, um das ganze Programm mitzunehmen, den anderen reichte für die Glückshormone schon der Samstag - alles vorzüglich vorbereitet vom Landeskantor Kord Michaelis, dem Landesverband evangelischer Kirchenchöre in Baden und der Stadt Pforzheim. Das überaus reichhaltige, fast nicht mehr überschaubare Programm bot buchstäblich alles, was das Herz begehrt, die ganze Vielfalt der kirchlichen Chormusik: vom "Kindermusical" und den unvermeidlichen "Workshops" für Kinder einschließlich der Hocketse vor der Stadtkirche, vom gehobenen Vokalsextett der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg mit Podiumsdiskussion zum Thema "Vom Kampflied der Reformation zur ökumenischen Singgemeinschaft", über Mendelssohn bis Gospel und leicht schrägen Chorsätzen. Im "Mosaik der Chorlandschaft" des Programmheftes waren wunderschön leuchtende Steine. Haydns "Schöpfung": aus gut 250 Kehlen erklang auf dem Waisenhausplatz das "Oratorium zum Mitsingen", vereint mit dem Oratorienchor und Bachorchester Pforzheim: "Und eine neue Welt entsteht aus Gottes Wort" – genau so war es!
"Wes das Herz voll ist, des fließt der Mund über", aber es nicht möglich, hier alles zu erzählen, was die drei Tage des Chorfestes in reicher Fülle boten, zu der auch die Jungbläser des Posaunenchors Diersburg wohlvorbereitet beitragen konnten.
Gemeinsames Singen, miteinander reden, sich etwas kennenlernen: "Tankstelle des Glaubens" nannte es Landesbischof Dr. U. Fischer in seiner Predigt im Festgottesdienst am Samstagabend. Oder: es tat einfach gut, mit Menschen gleicher Überzeugung ein paar Stunden und Tage gemeinsam unterwegs zu sein.

Karl Hansert, Singkreis Diersburg

Fotos: Tilo Keller

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