Odenwälder Feriensingwoche 2009

Den fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die wieder aus allen Teilen Deutschlands angereist waren, lachte im August bei der Odenwälder Feriensingwoche freundlich die Sonne, sodass zahlreiche Proben an frischer Luft im herrlich grünen Garten des Schulungszentrums in Weinheim-Ritschweier stattfinden konnten. Dies beförderte die sowieso schon freudige Stimmung und trug neben der bewährten Stimmbildung sehr zur gelösten Atmosphäre dieser Tage bei. Außerdem verwöhnt und aufmerksam umsorgt von Schwester Dominica und ihrer Helferschar, blieben wieder einmal keine Wünsche der Erholung und Bereicherung für die Sängerinnen und Sänger offen.

Karin Dannenmaier (Bezirkskantorin in Schlüchtern) und Martin Lehr (Musikpädagoge in Weinheim) konnten mit der Probenarbeit und dem Ergebnis der Feriensingwoche ebenfalls sehr zufrieden sein. Schon das anspruchsvolle Programm machte deutlich, auf welch hohem Niveau diese Tage standen, an denen es vor allem um Kompositionen der „Jubilare“ Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy ging. Aber auch Josef Michel (1928 – 2002) als Begründer dieser Singwochentradition, Johann Sebastian Bach und Heinrich Schütz waren mit Werken vertreten; darüber hinaus gab ein „Händel-Orchester“ aus streichenden und flötenden Teilnehmern dem Abschluss-Singen am Samstagnachmittag in der Markuskirche Weinheim eine besondere Note.

Das Abschluss-Singen wurde mit dem klangvollen „Danklied“ von Haydn eröffnet, dem das orchesterbegleitete Anthem über Psalm 96 mit typisch Händel’schem Schwung folgte; anschließend sangen Sologruppe und Tutti in wirkungsvollem Wechsel das selten zu hörende, mehr verhaltene „Magnificat“ von Mendelssohn. Als Kontrast dazu erklang die eher herbe Choralmotette „Gott sei gelobet und gebenedeiet“ von Josef Michel, deren Uraufführung vor 25 Jahren in Gaienhofen – wie sich einige noch erinnerten – damals eine große Herausforderung bedeutete.
Ein Soloquartett bot nun eine (textlose) Vokalfassung der bekannten „Air“ aus der Bach’schen D-Dur-Suite dar, ein wahrlich gelungenes Kabinettstück!

Dem stand der Chor nicht nach mit der sechsstimmigen Schütz-Motette „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ in differenzierter Klanglichkeit, die im weiteren noch eine schier überwältigende Steigerung erfahren sollte. Zunächst wetteiferten Sänger und Orgel im doppelchörigen Psalm 98 von Mendelssohn, dann vereinten sich Orchester und der vier- bis siebenstimmige Chor in Händels berühmtem Coronation-Anthem „Za-dok the Priest“, das bis heute bei der Krönung der englischen Könige erklingt. Und doch geriet der Abschluss noch festlicher: Aus dem Haydn-Oratorium „Die Schöpfung“ präsentierten die enthusiastischen Ausführenden mit Karin Dannenmaier am Klavier das Rezitativ des Uriel „In vollem Glanze“ mit Martin Lehr als Solist und den anschließenden Chor „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“.

Reicher Beifall der begeisterten Zuhörer war auch hier das Brot der verdienstvollen Künstler. Bei dieser Belohnung sollte es allerdings nicht bleiben, denn wie üblich folgten in Ritschweier ein leckeres Büffet und ein lustiger Bunter Abend, bei dem u. a. die Chorleiter ein Komponisten-Quiz zu lösen hatten.

Wie der Eröffnungsgottesdienst eine Woche zuvor, wurde auch zum Abschluss der Festgottesdienst mit Abendmahl durch den Singwochenchor reich ausgestaltet, u. a. mit der „Gaienhofener Liturgie“. Dann allerdings hieß es Abschied nehmen nach einer erfüllten und wohltuenden Zeit; mit schönen Klängen und heiteren Erinnerungen im Gepäck taten dies viele schon in der Erwartung auf das Wiedersehen im kommenden Jahr.

Martin Lehr

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