Ein Festival der Musik:
CoroPiccolo Karlsruhe auf Konzertreise von Bordeaux nach Santander

Laut Duden ist ein Festival eine „kulturelle Großveranstaltung“. Das Festival Internacional de Santander ist in der Tat groß, dauert gut drei Wochen und ist eines der wichtigsten seiner Art in Spanien.

Der CoroPiccolo Karlsruhe unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser hatte die Ehre, Teil dieses Festivals zu sein auf seiner diesjährigen Konzertreise durch Südwestfrankreich und Nordspanien. Das Programm mit dem Thema „Engelsklänge“ hatte er im Gepäck, Werke von der Renaissance bis zur Gegenwart, von Vulpius bis Rihm, dazu die aufregende Vorfreude, bei einer Veranstaltungsreihe von solchem Rang mitwirken zu dürfen.

Ein Konzert in der Kathedrale von Bordeaux bildete den Auftakt der vom Goethe-Institut, vom Auswärtigem Amt und von der Stadt Karlsruhe geförderten Konzertreihe, gefolgt von zwei Aufführungen im Convento Santa Clara in Tolosa und zusammen mit dem Coro Jatorki in der Klosterkirche Iglesia de la Encarnación in Bilbao.
Als Teil des Festivals von Santander standen drei Aufführungen im Programm (Santo Toribio de Liebana/Potes, Comillas, Noja), allesamt in Kirchen mit erfreulichem Publikumsinteresse verfolgt. Zusätzlich waren in Bordeaux und Bilbao zwei Intermezzi für Blockflöte solo mit Theresa Fritz als Solistin zu hören.
Es ist ein besonderer Reiz für Chorleiter und Sänger, im Programm des Festivals neben gestandenen Persönlichkeiten des Musikbetriebes angekündigt zu werden. Wenn der erste Ton im Kirchenschiff erklingt, ist dies indes schnell vergessen, dann sind Ausführende und Zuhörer mit der Musik alleine: Rheinbergers Cantus Missae, das rhythmische Sanctus von Frank Martin, die anspruchsvoll von Einojuhani Rautavaara vertonte Erste Elegie von Rainer Maria Rilke und natürlich Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen über Dir“ aus dem Elias.

Die Musik schafft es, aus einem Programmpunkt ein musikalisches Ereignis werden zu lassen, das von den Ohren in die Herzen geht. Und dies trotz sprachlicher Barrieren, die naturgemäß zwischen den Liedtexten und der Mehrzahl der Zuhörer lagen. Spätestens bei der Zugabe, einer Habanera als Verbeugung vor dem gastgebenden Land, stand es der Zuhörerschaft ins Gesicht geschrieben, wie gut sich mit Musik feiern lässt. Als Sänger kann man es nur als großes Glück bezeichnen, beim Abgang nach dem letzen Stück durch ein Spalier glücklicher Gesichter und klatschender Hände zu schreiten und zu spüren: dies ist ein Fest, ein Festival der Musik.

Bernd Hecht

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