Musikfreizeit am Bodensee:
»Rock the Summer« - und beinahe wäre das Kirchendach weggeflogen

Auch in diesem Jahr verging die Musikfreizeit des Internatsgymnasiums Schloss Gaienhofen für 52 Teilnehmer sicher wie im Fluge und Langeweile war bestimmt ein Fremdwort. Dies erfahren nicht nur die eigens angereisten Angehörigen der Jugendlichen sondern auch alle „fremden“ Konzert-Besucher in beeindruckender Weise beim mitreißenden Abschlusskonzert in der Melanchthonkirche.

Zu Beginn vermitteln die Begrüßungsworte des stellvertretenden Schulleiters Gunnar Horn den Dank an alle Mitarbeiter aus Schule und Internat sowie an die Mitarbeiter der Freizeit und geben einen kurzen Einblick in die Aktivitäten der Woche. Dank der Infrastruktur des Internats können die Jugendlichen in den Internatshäusern wohnen. Das Hauswirtschaftsteam des Internats sorgt bestens für die Unterkunft und das leibliche Wohl. In der Freizeit standen nicht nur Baden, Segeln, Sport und Werken auf dem Programm. Spiele zum Kennenlernen und Feuerwerk am 1. August, Beachparty mit Lagerfeuer und Stockbrot, Nachtgeländespiel, Tretbootfahren und Kinoabend waren sicherlich Höhepunkte dieser sommerlichen Ferienwoche. Dass, neben all diesen tollen Aktivitäten, eigentlich die Musik das zentrale Thema war, kann man kaum glauben, und dennoch, es ist so!

„Rock the Summer“ – als Zuhörer war man gespannt, was damit wohl gemeint sein könnte?
„Hoch tut euch auf“, „Drum Dank“ und „Hallelujah - aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel, mit diesen Texten und mitreißenden Klängen beginnt das Konzert. Die Kirche ist erfüllt vom Chor- und Orchesterklang. Übersetzt man das englische Wort „to rock“ ganz frei mit „wachrütteln“, dann wird man bei dieser Musik hellwach, auch wenn es Klassik ist, vor allem, wenn man die Begeisterung der Jugendlichen, ihre Konzentration und die Freude an der Musik live miterlebt: frisch, fröhlich, intonationssicher, es ist schon bemerkenswert, wie motiviert die Jugendlichen singen und spielen, auch das Orchester ist fast ausschließlich mit Freizeitteilnehmern besetzt!

Fünf Gospels mit viel Rhythmus und anspruchsvollen modernen Arrangements folgen. „Move Spirit Move“, „Deep River of Love“, „Born again“, „Celebrate“ und „Glory to God“ – christliche Glaubensinhalte, Rhythmus und Drive, Lob und Preis im Gospelstil. Mit Konzentration und sichtlichem Vergnügen werden diese schwierigen Stücke von Chor, Solisten und Begleitinstrumenten gut interpretiert.
Dann kommen die Instrumentalisten der Gruppe zum Zug: feinfühlig musiziert das Streichensemble Michael Jacksons „Heal the world“ – jazzig wird’s bei „Moon River“ mit dem gesamten Instrumentalensemble. Pauke und Trompete, Klarinette, Flöte und Saxophon, Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass und Schlagwerk, alle, die ein Instrument spielen, sind nun dabei!
Die Holz- und Blechbläser setzen, begleitet vom Schlagwerk, dann noch eins drauf: sie schicken das Publikum „in 80 Tagen um die Welt“: Europa-Afrika-Orient-Indien-Amerika-der Wilde Westen und schließlich wieder London – unterwegs mit Eisenbahn, Schiff und Elefanten ist diese musikalische Reise frei nach Jules Verne ein mitreißendes Erlebnis. Faszinierend, wie aus einer zusammengewürfelten Gruppe Instrumentalisten innerhalb nur einer Woche so ein Orchester wird!
Und damit ist es noch nicht genug, im dritten Teil werden alle Register gezogen, jetzt spürt man den Geist der Freizeit, die Kreativität, das Miteinander von Solisten und Chor, Band und Dirigent.
Aus dem Konzert wird eine Show: Bilder auf der Videowand – der Sound einer E-Gitarre - buntes Scheinwerferlicht - Nebel in der Melanchthonkirche! „Smoke on the Water“ - aus dem Nebel tauchen Gestalten auf: Rocker in Lederjacken und heiße Bräute im Minirock, mit zerrissenen Strümpfen und Lederstiefeln. Ihre Haare leuchten in allen Regenbogenfarben von Pink bis Blau – sie spielen Gitarre und rocken was das Zeug hält, der Konzertraum verwandelt sich, man spürt den Beat der Rockmusik von Deep Purple in Bauch und Beinen, der Konzertbesucher wird mitgenommen und ist beeindruckt, berührt und fasziniert. Die Stimmung einer tollen Woche überträgt sich mit Musik und Show auf die Zuhörer, die zuallererst erfahren, dass „Rockmusik“ gleichbedeutend mit „Freiheit“ ist. Queen, Status Quo, Eric Clapton und andere Top-Namen der Rockmusik in einem Konzert:
„The show must go on“, „Rockin all over the world“, „Tears in Heaven“, „Sweet home Alabama“, „The final Countdown“, „Walking on sunshine“ – ein Hit jagt den nächsten, musikalische Ferienstimmung kommt auf. Es sind gelungene Arrangements, die eigens für die Musikfreizeit bearbeitet wurden, man möchte eigentlich mitsingen, überlässt das Singen dann aber den jugendlichen Solisten und dem rockenden Chor, die es eindeutig viel besser können! Die unbekümmerte Freiheit der Jugendlichen ist ein Vergnügen für alle Zuhörer und eine Erinnerung an die eigene Jugend!

Siegfried Schmidgall, verantwortlich für die Gesamtleitung der Freizeit, hat mit dem Mitarbeiter-Team: Stefan Clauß (Blechbläser), Mareike Kirchmann (Holzbläser), Daniel Kirchmann (Streicher), Kirstin Folke Andachten, Salome Clauß, Marcel Sattler und Stefanie Sattler (Sport, kreatives Werken, Organisation) den Jugendlichen wieder ein ganz besonderes Freizeiterlebnis geschenkt.
„Da hebt das Dach sich von dem Haus, und die Kulissen rühren …“ dieser Text von Josef Eichendorf entstand Anfang des 19. Jahrhunderts. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde daraus ein bekanntes Volkslied. Anfang des 21. Jahrhunderts, in der Melanchthonkirche, „wackelten die Wände“ und das „Dach hob sich“ in vielerlei Hinsicht: Beim Abschlusskonzert am 8. August 2009 haben die Jugendlichen und das Mitarbeiterteam eindrucksvoll unter Beweis gestellt wie man einen christlichen Kerngedanken lebendig verwirklicht: Musik in allen Variationen und Rhythmen schafft Gemeinschaft mit anderen. So werden in kurzer Zeit aus Fremden Freunde.

Ferienerlebnisse und Erfahrungen einer tollen Woche werden die Jugendlichen mit nach Hause nehmen und Gaienhofen wird bestimmt noch lange in ihren Herzen „rocken“!

Elisabeth Hilzinger

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