Unionsjubiläum - Geburtstag unserer Landeskirche

2021 begeht die Evangelische Landeskirche in Baden ein besonderes Jubiläum: Die Union aus lutherischen und reformierten Gemeinden im Großherzogtum Baden wurde im Jahr 1821 von der Gesamtsynode beschlossen und führte zur Gründung
unserer Landeskirche, die somit ihren 200. Geburtstag feiert.

Von Susanne Moßmann

Im Jahr 1821 schlossen sich Lutheraner und Reformierte zur „Vereinigten Evangelisch- Protestantischen Kirche im Großherzogtum Baden“ zusammen, mit weitestgehendem Konsens in den Fragen des Bekenntnisses, des Kultus, der kirchenrechtlichen
Rahmenbedingungen und der Finanzen. Wie war es dazu gekommen? Der lutherische und der reformierte Zweig der Reformation entstanden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Versuche, die beiden Zweige damals zu vereinen, scheiterten
insbesondere wegen unterschiedlicher theologischer Lehren über das Abendmahl (vgl. dazu etwa das Marburger Religionsgespräch 1529 zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli).
Im Laufe des 18. Jahrhunderts, bedingt durch philosophische Ansätze im Zeitalter der Aufklärung, verflachten diese theologischen Unterschiede. So kam es am Anfang des 19. Jahrhunderts in einigen Gebieten Deutschlands, in denen
die beiden protestantischen Konfessionen bis dahin parallel existiert hatten, zu Kirchenunionen.
Durch die Neuordnung Deutschlands wuchs Baden um die reformiert geprägte Kurpfalz. Auch in anderen Regionen wurden Unionen geschmiedet. Die badische Unionsurkunde schließt in ihrem § 10 folgendermaßen ab:
„Solcherweise einig in sich selbst und mit allen Christen in der Welt befreundet erfreut sich die evangelisch-protestantische Christenheit im Großherzogtum Baden der Glaubens und Gewissensfreiheit, nach welcher die
großen Vorfahren strebten und worin sie sich entzweiten. Die Eifersucht, womit sie und ihre Nachkommen sich einander gegenüber sahen, ist erloschen, die Ängstlichkeit, mit der sie ihre Unterscheidungslehren bewachten, verschwunden; die Freiheit
des Glaubens ist erreicht und mit ihr die Freiheit im Glauben und die durch kein Die Ausstellung im GenerallandesMisstrauen fortan zu störende Freudigkeit in einem gottgefälligen Leben.“
Ein Netzwerk mit vielen Akteur*innen gestaltet das Jubiläum mit Gottesdiensten, Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen. Insbesondere der kirchliche und gemeindliche Alltag sollen vom Jubiläum profitieren können.
Durch die Einschränkungen der Corona- Pandemie sind die Jubiläumsaktionen derzeit noch weitestgehend ausgebremst. Auf der homepage ekiba.de – hier unter Landeskirche-Gemeinden – findet sich Näheres zum Unionsjubiläum. Texte und Materialien können gelesen und auch bestellt werden, so z. B. ein Handbüchlein oder kostenfreie Plakate für die heimischen Schaukästen.

Sehr zu empfehlen ist auch die Wanderausstellung, die das Religionspädagogische Institut erstellt hat und die ebenfalls für die Gemeinden zu bestellen ist. Das Motto des Jubiläums lautet „Unisono – vielstimmig eins“ – das geniale Logo hatten
wir schon vorgestellt – und so soll es auch im Chorfest, das ja nun coronabedingt um ein Jahr „gestreckt“ werden musste, weiterklingen.
Musikalischer kann ein Motto für ein Kirchenjubiläum ja nicht sein ... Lohnenswert ist auch ein Studium der „7 Orientierungen zur Gestaltung des Unionsjubiläums“ (ebenfalls zu finden auf ekiba. de – Landeskirche und Gemeinde – Unionsjubiläum
– worum es geht). Beispielhaft sei hier These 6 erwähnt: These 6: Ökumenische Offenheit Wir feiern, dass der Weg der Kirche zur Union mit dem beharrlichen Blick über die Grenzen der eigenen Kirche möglich gewesen
ist: „einig in sich und mit allen Christen in der Welt befreundet“ (§ 10 UU). Im Blick auf den zukünftigen Weg unserer Kirche fragen wir: Wie stärken wir das Miteinander mit denen, die weltweit unseren Glauben teilen? Wie
stärken wir die Gemeinschaft mit Kirchen anderer theologischer, kultureller und ethnischer Prägung, die bei und mit uns leben?

Nicht zuletzt dieses gelungene Zueinanderfinden von vorher getrennten Teilen hat dazu geführt, dass die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen nach Karlsruhe vergeben wurde (eigentlich auch für den Herbst 2021 geplant und nun
auf 2022 verschoben). Der Evang. Oberkirchenrat und das Generallandesarchiv haben eine gemeinsame Ausstellung vorbereitet zu 200 Jahre Geschichte der Evangelischen Landeskirche in Baden: „ Aus der Trennung heraus...“
Sie gilt auch dem Ausblick nach 200 Jahren auf das gewachsene und weiter zu entwickelnden ökumenischen Miteinander mit den Katholiken im Erzbistum, den weiteren christlichen Kirchen und den Kirchen in aller Welt. Der Ökumenische Rat der
Kirchen ist aufgrund des Jubiläums nach Karlsruhe zu seiner 11. Vollversammlung eingeladen worden, die musste aber auf Anfang September 2022 verschoben werden.
Die Ausstellung im Generallandesarchiv
wird am 19. Mai digital eröffnet.
Alle aktuellen Infos zum
möglichen Besuch der Ausstellung:
www.landesarchiv-bw.de oder Telefon
GLA Karlsruhe: 0721 9262206.
Weiteres Jubiläumsprogramm auf
der Website: www.unisono2021.de

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