Einblicke in die Probenarbeit der Lutherana Karlsruhe ... auf der Suche nach Lösungen

Gerne gebe ich Interessierten hier einen kleinen Einblick in die Probenarbeit der Lutherana in einer herausfordernden Zeit.
Die Freude unter den SängerInnen war groß, als es nach einer komplett digitalen Phase von März bis Mai nach den Pfingstferien endlich wieder „richtig“ losgehen konnte.

Probenraum: Zugegeben, wir haben das große Glück, in einer wunderschönen, frisch renovierten Kirche mit einer Grundfläche von ca. 500m2 und 16m Raumhöhe proben zu können. Wir haben die Lutherkantorei trotzdem in zwei Gruppen geteilt – viele SängerInnen fühlen sich in einer kleineren Gruppe einfach wohler. Und durch die Abstandsregeln ist es ab einer gewissen Chorgröße auch eine Frage der Akustik, was noch gut und sinnvoll zu proben ist.
Auch der Gemeindesaal hat immerhin eine Größe von 150 m2. Das bedeutet, dass er nur für Ensembles mit bis zu 15 SängerInnen oder BläserInnen genutzt werden kann. Für die Vokalensembles, für Posaunenchor und Flötenensemble ist dies ausreichend. In weiteren Gemeinderäumen können sich ca. 5 Singende gleichzeitig aufhalten – dort kann wie bisher Stimmbildung einzeln und in kleinen Gruppen stattfinden.
Mit den größeren Chören proben wir in der Kirche – vor allem in der warmen Jahreszeit ging das sehr gut. Daher haben wir auch teilweise die Sommerferien im Chor zum Proben genutzt, und werden die Weihnachtsferien dafür etwas verlängern.

Die Probenarbeit: Die Chöre haben wir derzeit in Gruppen mit ca. 25 SängerInnen aufgeteilt. In der Kinder- und Jugendkantorei sind das vier Chorgruppen. Die Lutherkantorei haben wir mit dem Start des neuen Chorprogramms in Männer- und Frauenstimmen aufgeteilt – das erleichtert zu Beginn die Einstudierung der neuen Werke, und auch der Klangkörper eines reinen „Frauen- oder Männerchores“ war und ist für uns eine neue und bereichernde Erfahrung. Mit zunehmender Stimmsicherheit des neuen Programms werden wir dann die Kantorei in zwei vierstimmige Chöre aufteilen, und im Konzert in unterschiedlichen Besetzungen singen. Das Weihnachtskonzert planen wir gleich mit zwei Aufführungen und jeweils unterschiedlicher Chorbesetzung.

Die Stühle stellen wir dazu im Altarraum auf – mit 2m Abstand in jede Richtung, ein paar Stühle immer auch paarweise: Wir haben in fast jeder Chorgruppe Geschwister, in der Lutherkantorei auch Ehepaare, die ja keinen Abstand halten müssen. In den Kinderchören wird der Partnerstuhl durch ein Familiensymbol gekennzeichnet.
In der Vorbereitung zu Konzerten sind die Stühle im Altarraum störend – dafür verteilen wir dort Sitzkissen auf dem Boden. Das klingt vielleicht erstmal etwas merkwürdig, erleichtert aber sehr die Aufstellung unter Einhaltung der vorgegebenen Abstandsregelungen. Die Kinder lieben diese Kissen – sie sehen aus wie frische Früchte (Orangen, Melonen), und die Ansage „alle Kinder der 1. Stimme suchen sich eine Orange, und alle 2. Stimmen eine Melone“ ist für alle sofort verständlich und sehr zeitsparend. Und sie können zwischendurch auch einmal setzen. Für die Erwachsenen ist das natürlich zu unbequem. Trotzdem empfinde ich – bis zur Generalprobe – die Kissen als eine gute Lösung, schnell festzulegen bzw. festzustellen, wo jemand stehen kann oder soll. Bei der Vorbereitung zu einem Chorkonzert mit wechselnden Besetzungen kommen Namenkärtchen auf die Kissen, so kann man vorab die bestmögliche Aufstellung überlegen, und allen SängerInnen ist gleich klar, wo sie wann hinmüssen. Natürlich könnte man die Kärtchen auch auf den Boden legen, aber auf den Kissen sind sie für alle viel besser sichtbar, und jede/r weiß schnell, vor welches Kissen er/sie sich stellen soll.

Alle jungen und erfahrenen SängerInnen kommen sehr diszipliniert zur Probe. Zur Dokumentation geben sie bei jeder Chorprobe eine Teilnahmeerklärung ab, desinfizieren sich die Hände, und nehmen die Maske erst ab, wenn sie ihren Platz gefunden haben.

Die Chorproben werden auch digital übertragen – eine Möglichkeit für alle, die wegen einer Erkältung nicht kommen können, Quarantäne einhalten müssen etc. – das wird vom Kinderchor bis zur Kantorei gerne genutzt. Dafür wird für jede Chorprobe ein Lankabel vom Gemeindehaus in die Kirche gezogen, um dort ein wlan aufbauen zu können. Der Laptop steht auf dem Flügel, die Webcam ist auf die Chorleiterin gerichtet. Die Zuhörenden können so der Probe gut folgen, und verlieren nicht den Anschluss. Wir haben seit Beginn der Pandemie einen virtuellen Probenraum gebucht. Dieser Link ist allen SängerInnen bekannt, und einfach zu öffnen.

Login auf der Homepage: Für das Üben zu Hause haben wir auf der Homepage einen umfangreichen Login-Bereich ausgebaut. Die SängerInnen können sich über ein Passwort in ihren Chor einloggen, sich per Videoclip mit unseren Stimmbildnern einsingen, und mit Übe-Audios ihre Stimmen üben.

Familienstellungen: Solange die Gemeinde in den Gottesdiensten nicht singen durfte, haben das SängerInnen aus den Chören übernommen – ein kleiner Ausgleich für die vielen ausgefallenen Veranstaltungen. Sehr gut angenommen wurde dabei auch das „Familiensingen“. Familien müssen ja keinen Abstand halten. Ich war selbst überrascht, festzustellen, wie viele Familienkonstellationen wir in der Lutherana finden konnten (Elternteil / Kind, Geschwister, Ehepaare...).

Videoclips: Regelmäßig nehmen wir Videoclips mit SängerInnen aus den verschiedenen Chören auf – solistisch und in kleinen Gruppen. Diese sind auf der Homepage über YouTube für alle Interessierten abrufbar – und für Gemeindemitglieder, die derzeit nicht in die Kirche kommen können, eine Möglichkeit, zumindest etwas „aus“ der Lutherkirche zu hören, und ggf. auch mitzusingen.

Ausblick: Nun gilt es, für die kalte Jahreszeit Vorkehrungen zu treffen. Irgendwann ist es auch trotz Heizung in der Kirche für längere Probenzeiten zu kalt, wir werden also nach neuen Lösungen im Gemeindehaus suchen. Der Saal kann gut quergelüftet werden. Das Problem: Nach wenigen Minuten hat man gefühlt die Außentemperatur im Saal. Das ist keine gute Vorstellung, vor allem im Hinblick auf die Temperaturen im Januar/Februar – da kann es auch in Karlsruhe Werte unter 0 Grad geben. Unsere Ansätze:
Technik: Wir haben nun eine CO2-Ampel erworben, die uns anzeigt, wann eine Lüftung wichtig ist. Einige technisch interessierte SängerInnen prüfen derzeit, ob „Raumluftreiniger“ für die Chorarbeit geeignet sind, und vergleichen verschiedene Firmen und deren Geräte.
Personal: In der Jugendkantorei und bei den Erwachsenen bereiten wir derzeit einige Interessierte und Talentierte darauf vor, dass sie bei Bedarf ein Einsingen oder eine Stimmprobe übernehmen können – für den Fall, dass wir die Chöre nochmal teilen müssen... und, damit man eine Chorprobe nicht komplett absagen muss, wenn die Chorleiterin eine Erkältung hat.

Fazit: Die Arbeitszeit ist durch die geteilten Chöre, das Vor- und Nachbereiten (einschl. Desinfizieren nach den Proben u.v.m.) deutlich gestiegen, aber insgesamt ist dies ein deutlich angenehmeres Arbeiten, als die digitale Phase während des Lockdowns. Insgesamt ist es immer eine Frage der Abwägung, zu versuchen, das Chorsingen weiterhin zu ermöglichen, und alles dafür zu tun, dass ein Infektionsgeschehen in den Chören verhindert wird.

So können wir uns nur wünschen, dass wir auch in Zukunft weiter singen können – in und mit unseren Chören, dass das Singen uns weiterhin gesund erhält, und dass wir alle gesund bleiben.

Dorothea Lehmann-Horsch

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