Farbige Klänge:
Der Bachchor Karlsruhe in Köln, Veurne und Gent

Erstmals hat sich der an der Stadtkirche Karlsruhe ansässige Bachchor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser am Himmelfahrtswochenende bei einer Konzertreise im Ausland hören lassen. Die rund 60 Sängerinnen und Sänger hatten ein klangfarbenfrohes Programm aus chorischen Psalmvertonungen im Gepäck. Mit von der Partie war der Trompeter Rudi Scheck, der gemeinsam mit KMD Raiser konzertante Stücke für Trompete und Orgel darbot.

Köln, die erste Station der Reise, bot bei strahlend sonnigem Wetter eine bunte Kulisse. Nachdem man sich auf einem Stadtrundgang in die alte Kölner Sagenwelt entführen lassen hatte und auch einigen Exemplaren der genussfreudigen und lebensfrohen Kölner in natura begegnet war, gab der Bachchor abends in der Trinitatiskirche ein Benefizkonzert für den Verein „Kinder Krebskranker Eltern“.

„Klangfarben – Psalmen in Klängen“ - der Name war Programm und so durfte sich das Publikum auf eine abwechslungsreiche Palette geistlicher Musik freuen. Den kräftigen Linien romantischer Komponisten wie Mendelssohn und Rheinberger wurden in den Werken von Schweizer und Nystedt jazzige Farbtupfer gegenübergestellt. Ein kleiner Frauenchor nahm die Zuhörer beim Laudate pueri (Mendelssohn) durch seine filigrane Polyphonie ebenso gefangen wie die volle Besetzung des Chores sie durch die ungewohnten Klänge eines Clusters in der Psalmmotette „Der Herr ist mein Hirte“ von Stockmeier aufhorchen ließ. Scheck und Raiser mischten noch andere Farben hinein, sei es durch Töne aus dem Corno da caccia in einer barocken Sonate von Loeillet, durch die nordisch schwebende Melodie des „Gammal Fäbodspsalms“ von Lindberg oder die schmetternde „Suite des Fanfares“ von Mouret. Dabei brillierte Rudi Scheck als geschickter Klangmaler auf verschiedenen Instrumenten. Mit der Uraufführung seiner Paraphrase zu Psalm 100, „Jubilate Deo“, erweiterte Raiser, der das beeindruckende, rhythmisch und melodisch polychrome Werk eigens für diese Konzertreise des Bachchores komponiert hatte, das Spektrum bis in die unmittelbare Gegenwart hinein. Den Abschluss bildete die Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“ vom Namensgeber des Chores, Johann Sebastian Bach. An der begeisterten Publikumsreaktion zeigte sich, dass der Chor das anspruchsvolle a cappella Programm klangvoll gestaltet hatte und so konnte man den gelungenen Einstieg in die Kurztournee noch beim Kölsch auf dem Alten Markt ausklingen lassen.

Der nächste Tag führte den Chor weit nach Westflandern, wo er in der Sint-Walburgakerk Veurne sehr herzlich willkommen geheißen wurde. In der gut besetzten gotischen Kirche mit ihrem mächtigen holzgeschnitzten Chorgestühl war das Singen ein besonderes Vergnügen. Vorher allerdings wurde dem Meer eine kurze Stippvisite abgestattet, einige Mutige trauten sich sogar hinein. Fritten füllten den leeren Sängermagen. Mit belgischem Bier und internationalem Essen wurde abends auf dem historischen Marktplatz von Veurne der Erfolg gefeiert.

Das erhabene Gefühl in einem historisch wie architektonisch so stimmigen Raum zu singen, wurde in der Universitäts- und Kunststadt Gent beinahe noch übertroffen. Hier sang der Chor am Nachmittag in der St. Niklaaskerk, einer der drei großen zentralen Innenstadtkirchen. Der beeindruckende Kirchenraum mit optimaler Akustik und die Chor-Orgel, auf der Manfred Weingärtner den Chor bei der Motette begleitete, gaben auch diesem Konzert seine unverwechselbare Farbe Im Laufe des Tages blieb noch etwas Zeit, den berühmten Genter Altar mit der Anbetung des mystischen Lamms zu bewundern, durch die Altstadt zu schlendern oder am malerischen Zusammenfluss von Schelde und Leie im Innenstadthafen den Anblick der alten Tuchmacherstadt zu genießen, der neben Brügge wohl schönsten Stadt Belgiens.

Am Sonntag wurde das „Jubilate Deo“ schließlich auch im Gottesdienst laut, als der Bachchor die Ehre hatte, in der St Michaelskerk das feierliche Hochamt musikalisch mitzugestalten. Auch hier wurde die Musik so freundlich aufgenommen, dass der Busfahrer des doppelstöckigen Tourbusses sich kurz vor Karlsruhe beeindruckt verabschiedete: „Ich hätte nie gedacht, dass man für eine Bachmotette stehende Ovationen bekommen kann.“

Melanie Hong

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