Nachruf auf Ehrenobmann Heinrich Riehm

Am 3. Februar verstarb Pfarrer und Kantor Heinrich Riehm im gesegneten Alter von 92 Jahren, langjähriger Obmann des Landesverbandes evangelischer Kirchenchöre in Baden, der nach Rückzug aus diesem Amt wegen der umfangreichen Vorbereitungen auf das erscheinen des Evangelischen Gesangbuchs wurde er zum Ehrenobmann ernannt.
von Pfarrerin Susanne Labsch, Vorsitzende des Chorverbandes
Der Verband der Evangelischen Kirchenchöre in Baden nimmt in dankbarer Erinnerung an sein langjähriges und nachhaltiges Wirken für das Singen in den Gemeinden und Chören Abschied von seinem Ehrenobmann Pfr. Heinrich Riehm. Er war von 1970 bis 1993 Obmann/ Vorsitzender des Chorverbandes und hat sich in dieser Zeit besonders bemüht um die Einführung neueren, gut singbaren Liedguts für die Gottesdienste und für die Chorarbeit. Er stand für die Verbreitung neuer geistlicher Lieder mit dem Anhang 71 und dessen Fortschreibung Anhang 77. In seinem Nachwort zum Anhang 77 zeigt sich, wie sehr Heinrich Riehm als kirchenmusikalisch engagierter Pfarrer den Zusammenhang von theologischen, geistlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen aufmerksam wahrnahm. Damals schrieb er „Vom ersten Glaubensartikel her gewinnen in den Liedern die Schöpfung, die Freude über die alltäglichen Gaben Gottes aber auch die Verantwortung für die Umwelt neue Bedeutung“. Er förderte neue Singformen wie Kanons, Liedrufe und Wechselgesänge für Gottesdienste in fruchtbarer Zusammenarbeit mit den damaligen Landeskantoren Rolf Schweizer und Martin Gotthard Schneider.
Als Obmann des badischen Chorverbandes lag Riehm das Singen mit allen Generationen und die Breite der musikalischen Stile sowie der Aufbau gemeindlicher Kinderchöre und das Singen mit Kindern in der Gemeinde am Herzen. Jede und jeder sollte die eigenen Gaben einbringen können. Die von ihm als Obmann verantworteten Chorhefte zu den damals noch Landeskirchengesangstag genannten Chorfesten zeigen diese Vielfalt und Weite. Er beschwerte sich aber auch, dass die Chorhefte in den Kirchenchören zu wenig genutzt würden.
Heinrich Riehm war ökumenisch wie wir heute sagen würden ‚breit vernetzt‘. Ab 1976 war er Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft für das ökumenische Liedgut. Diese ökumenische Weite brachte er ein in seine unermüdliche Sammlung neueren Liedgutes und neuerer Singformen und die liturgischen Entwicklungen, gerade auch beim Abendmahl.
Von 1972 an arbeitete er durchgängig mit bei der Zusammenstellung des Evangelischen Gesangbuches auf EKD Ebene, das zum 1. Advent 1995 erschien. Er setzte sich dabei für die Aufnahme von Liedern ein, die für grenzüberschreitende deutsch-französische Feiern genutzt werden konnten.
In den damaligen Zeitschriften der badischen Landeskirche, dem ‚Aufbruch‘ und den ‚Mitteilungen‘ veröffentlichte er regelmäßig Einführungen zu neuen Liedern, aus denen alle, die kirchenmusikalisch und liturgisch interessiert waren, großen Nutzen zogen. Zudem veröffentlichte er eine weiterhin aktuelle umfangreiche "Arbeitshilfe zum EG" (1995) und viele hilfreiche Listen, wie unter anderem die "Liednummern-Konkordanz" EG - EKG / EKG - EG (1996) oder die "Lieder-Synopse" zu vier Gesangbüchern katholisch - evangelisch in Deutschland und der Schweiz (2000). Im Zentralrat der evangelischen Kirchenchöre in Deutschland, dessen stellvertretender Vorsitzender er lange Jahre war, hieß Heinrich Riehm mit Augenzwinkern oft ‚der Listenreiche‘.
Heinrich Riehm arbeitete ebenfalls maßgeblich mit an der neuen Agende für die Gottesdienste in der Evangelischen Landeskirche in Baden (1995 erschienen).
Von 1986 bis zu seinem Ruhestand gab Heinrich Riehm sein theologisches, liturgisches und hymnologisches Wissen und seine Erfahrung weiter an Lehrvikarinnen und Lehrvikare als Dozent für Liturgik am Predigerseminar der badischen Landeskirche. Er war ein sehr gesprächsbereiter Lehrer.
Heinrich Riehm engagierte sich auch im Verein für Kirchengeschichte in der Evangelischen Landeskirche in Baden. Seine Bücher zu 100 Jahre Landesverband evangelischer Kirchenchöre in Baden (1980) und zur Gesangbuchentwicklung „ Auf dem Weg zum Evangelischen Gesangbuch“ (2010) sind lesenswert für alle, die an der historischen Entwicklung geistlichen Liedgutes und des Gottesdienstes interessiert sind.
1993 gab Heinrich Riehm aufgrund der Vielzahl der landeskirchlichen Aufgaben nach 23 Jahren den Vorsitz im Kirchenchorverband auf. In seinem Abschiedsbrief findet sich folgendes Vermächtnis: „ Wenn ich auf die vielen Jahre meiner Tätigkeit im Landesverband zurückschaue, so sind es vor allem zwei wichtige Anliegen, die mich und alle anderen immer beschäftigt haben. Das eine ist unser gottesdienstliches Amt … das Singen und Musizieren im Gottesdienst der Gemeinde...was „im wechselseitigen Tun“ etwas zum Ausdruck bringt vom Miteinander und den vielfältigen Gaben, die es in der Gemeinde gibt. Das andere ist die Literatur, um die wir uns bemühen. … Damit wird deutlich, dass sich der Chorverband vor allem um das Liedgut der Kirche kümmert und dabei auch Wegbereiter und Förderer neuer geistlicher Lieder sein will.“ (März 1993) Mögen wir dieses Vermächtnis im Chorverband dankbar weiter tragen.

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