Aufbau Kinderchorarbeit

Aufbau einer kirchlichen Kinder- und Jugenchorarbeit in einer Großstadt
Wie baut man in einer Großstadt eine kirchliche Kinder- und Jugendchorarbeit auf? Die Situation ist komplett anders als in Eberbach.
In Karlsruhe ist das Chorangebot durch die verschiedenen Kantorate, das Musikgymnasium, Schulen mit Singeklassen, Gesangvereine u.v.m. beachtlich - auch die außermusikalische Konkurrenz innerhalb einer Großstadt ist vielfältig. Aber es gibt natürlich auch viele Schulen – die Region Karlsruhe hat – je nachdem, wie weit man das Einzugsgebiet zieht, alleine ca. 15 – 20 Gymnasien.
Die Lutherkirche liegt in Karlsruhe-Oststadt - es gibt eine Grundschule, aber keine weiterführende Schule. Die über 100 Kinder und Jugendlichen der „Lutherana“ kommen aus dem gesamten Raum Karlsruhe - überregional, aus ca. 15 verschiedenen Schulen. Als Kantorin kann man da nicht überall präsent sein.
Es ist wichtig, die Kinder „frühzeitig abzuholen“ – am besten ab dem Vorschulalter: durch musikalische Eltern-Kind-Angebote, durch Vorschulchöre - und durch ein durchgängiges Chorangebot mit den verschiedenen Alters- und Leistungsstufen der Kinder- und Jugendkantorei.
Ein wichtiger Schwerpunkt der Chorarbeit ist die Gestaltung von Gottesdiensten und Konzerten an der Lutherkirche. Die Arbeit findet immer zielorientiert statt, auf den nächsten „Auftritt“ hin.
„Niederschwellige“ Veranstaltungen wie die Kindermitsingkonzerte laden zu einem ersten Zuhören und Mitsingen ein, und große „Kirchenkonzerte“ stellen die jungen Sänger/innen vor ganz andere Herausforderungen.
Eine Besonderheit ist auch die liturgische Ausprägung der „Lutherana“, optisch durch besondere Chorgewänder sichtbar, und musikalisch durch die Gestaltung der „Evensongs“, einem ökumenischen Abendlob mit musikalischem Schwerpunkt.
Wichtig sind auch Kooperationen „nach außen“ – so besteht gute Zusammenarbeit nicht nur mit Kindergarten und Schule im eigenen Stadtteil bzw. Gemeindegebiet, sondern auch mit dem Badischen Staatstheater, der Stadt Karlsruhe, der kath. Kirche und den ev. Nachbargemeinden.
Um den unterschiedlichen Bedürfnissen eines Kindes / Jugendlichen entgegenzukommen, bietet jede Chorstufe flexible Möglichkeiten je nach Eignung und Interesse des Kindes bzw. Jugendlichen. Die Basis bildet die wöchentliche Chorprobe. Wer das Chorsingen zum „Freizeitschwerpunkt“ machen möchte, hat zusätzlich zahlreiche Möglichkeiten, sich weiter „auszutoben“:

... da können für die ganz Aktiven auch schon mal drei oder vier Termine pro Woche zusammenkommen.

Grundsätzlich ist jedes interessierte Kind ist willkommen. Voraussetzung ist die Freude am Singen und die Bereitschaft, sich positiv in die Chorgemeinschaft einzubringen. Finanziell schwache Familien werden durch den Förderverein unterstützt.
Wichtig ist auch die Gemeinschaft, die sich nicht nur in den längeren Zusatzproben am Wochenende und bei Chorfreizeiten bildet, sondern auch durch generationsübergreifende Veranstaltungen gefördert wird, wie z. Bsp. beim immer im Juli stattfindenden Sommermusical zum Abschluss eines Chorjahres: Hier dürfen schon die Kinder aus den Vorschulchören mitmachen - die größeren Chorkinder übernehmen die Hauptfunktion der szenischen und gesanglichen Umsetzung, und die Jugendlichen die „Back-stage-Aufgaben“ wie Schminken und Verkleiden - oder assistieren in der Technik. Und die Eltern helfen bei den Kostümen, dem Bühnenbild, als Platzordner, oder wo auch immer sie gebraucht werden. Das schweißt zusammen – jedes Jahr immer wieder aufs Neue.
Jungs und Mädchen proben in der Lutherana zusammen – auch das stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Erst mit dem Stimmbruch benötigen vor allem die Jungs eine eigene Betreuung, und finden in den regelmäßig stattfindenden „Männerstimmproben“ der Jugendkantorei zu ihrer neuen Stimme.

Die Jugendkantorei ist immer wieder bei den größeren Chor-Orchester-Konzerten dabei, und so lernen die Jugendlichen von der Erfahrung der geübten Sänger, und bereichern den Chorklang mit ihren frischen Stimmen.
Immer mehr Schulen gehen zum Ganztagesangebot über – das stellt auch uns Kantoren vor neue Herausforderungen. Mit der Grundschule im eigenen Gemeindegebiet ist die Kooperation so eingerichtet, dass die Kinder über eine/n Jugendbegleiter/in zum Gemeindehaus in die Kinderchorprobe gebracht werden.
Finanziert wird die Chorschule durch Mitgliedsbeiträge, die Evangelische Kirche, die Stadt Karlsruhe, den Förderverein, durch Eintrittsgelder, und durch Spenden.
Das grundlegende Ziel der Lutherana Karlsruhe ist nicht nur die Pflege der Kinder- und Jugendstimme mit Hinführung zur reichhaltigen Literatur der traditionellen und neuen Kirchenmusik, sondern auch, einen Beitrag zur leisten - zur Fundamentlegung unserer Jugend für eine kirchliche Basis der nächsten Generation, und für die Zukunft unserer Kirche.

Dorothea Lehmann-Horsch

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