Interview mit der neuen Vorsitzenden Susanne Labsch

Bei der Mitgliederversammlung am 15. März wurde Pfrin Susanne Labsch aus Karlsruhe einstimmig zur neuen Vorsitzenden des Kirchenchorverbandes gewählt. Sie tritt ihr Amt im Sommer an. Susanne Labsch ist Pfarrerin an der Christuskirche in Karlsruhe und in einem Schulmusiker- und Kantorenhaushalt aufgewachsen und singt seit ihrem 4. Lebensjahr in Chören. Vorherige berufliche Stationen waren 6 Jahre in der Waldenserkirche in Italien, in Kehl-Goldscheuer, am Petersstift in der Ausbildung von Lehrvikar/innen und 14 Jahre im Oberkirchenrat (Leitung der Abteilung Ökumene). Die Fragen stellte Redakteurin Susanne Moßmann.

Was hat Sie bewogen, für den Vorsitz im Kirchenchorverband zu kandidieren?

Mein geschätzter Vorgänger im Amt, Gero Albert, der 15 Jahre den Verband leitete, hat im Namen des Verbandsrates bei mir angefragt. Ich habe mich dann mit mehreren Personen beraten mit dem Ergebnis: Gern stelle ich meine beruflichen Erfahrungen und mein ehrenamtliches Engagement in den Dienst des Chorverbandes, auch da das Singen in geistlichen Chören immer ein wichtiger Teil meines Lebens war und ist.

Was sind die wichtigsten Ziele und Themenschwerpunkte der Verbandsarbeit in den nächsten Jahren?

Das ist die Sicherung und Entwicklung des Chorgesangs in der Kirche, den Gemeinden und ihren Einrichtungen, durch alle Generationen und in verschiedenen Stilen und Formen; Die Verbreitung des neuen Anhangs zum Gesangbuch durch das Singen und wenn möglich die Entwicklung von ökumenischen und wo möglich auch interreligiösen Verbindungen durch das gemeinsame Singen in Chören oder Projektgruppen.

Das Singen in der Kirche wandelt sich. Viele klassische Kirchenchöre leiden unter Überalterung, Projekt- und Gospelchöre und auch Kinder- und Jugendchöre entstehen viele, bestehen aber oft nur eine kurze Zeit. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Aufgaben des Verbandes?

Ich freu mich auch die Zusammenarbeit im Vorstand und im Verbandsrat.Ein Chorverband kann nur bestehen, wenn er aktive Mitglieder hat, denen daran liegt sich in der Förderung des Singens, sei es nun stetig oder projektgebunden, miteinander zu verbinden, einander anzuregen, auszutauschen und das Chorsingen in Kirchen und Gemeinden – aber nicht nur dort, zu entwickeln. Die Bandbreite und Diversität der Chöre möchte ich nicht als Konkurrenz sehen sondern als Synergie begreifen. Ich kann mir auch intergenerationale und in diesem Sinne interkulturelle Projekte vorstellen, das geschieht ja schon bei der ‚Nacht der Chöre‘ oder Gesangstagen.

Sie sind eine musik- und singbegeisterte Pfarrerin. Wo schlägt Ihr Herz höher in einem Gottesdienst: bei toller Musik oder einer mitreißenden Predigt?

Am schönsten finde ich, wenn Musik und Lieder, Liturgie und Predigt in einem Gottesdienst gut miteinander verbunden werden so dass sie gemeinsam die gute Botschaft ausbreiten und Herzen und Sinne sowohl der Mitwirkenden als auch Zuhörenden bewegen. Ich habe das Glück und die Freude an einer Kirche und in einer Gemeinde tätig zu sein, in der die Kirchenmusik eine große Rolle spielt und wir in regelmäßigen Abständen sowohl Kantatengottesdienste feiern als auch Gottesdienste mit den Kinder und Jugendchören von Cantus Juvenum und der Seniorenkantorei. In dieser musikalisch-theologischen Verbindung schlägt mein Herz am höchsten… Übrigens. Wenn es Applaus im Gottesdienst gibt, dann für die Musizierenden! Ich freue mich natürlich auch über konstruktive Kritik an meinen Predigten und erlebe immer wieder anregende Predigten von Kolleginnen und Kollegen.

Eine weitere Leidenschaft von Ihnen ist die weltweite ökumenische Zusammenarbeit. Sie haben auch durch Ihre beruflichen Stationen viele Kontakte ins christliche Ausland. Gibt es etwas, was wir für unsere Chorarbeit in Baden von den Schwesterkirchen lernen oder abgucken können?

Im Baltikum und in Skandinavien wird der Gesang in den lutherischen Gemeinden sozusagen von der Wiege bis zur Bahre in Chorgruppen gepflegt mit vielen Seminaren und Festivals. Bei den Waldensern Italien wird mit wenig Mitteln in den Kirchen musiziert aus einem mehrstimmig gedruckten Gesangbuch. Dort gibt es auch bewegende geistliche Folk-Musik. In England haben mich die Even-Songs sehr beeindruckt; in Kamerun und Südafrika die Verbindung von (stets auswendigem) Gesang und Gruppenchoreografie auch in den entlegensten Gemeinden, in den USA der geistliche Jazz. In manchen Ländern studieren die angehenden Kirchenmusiker/innen, Pfarrer/innen und Religionspädagog/innen gemeinsam an kirchlichen Seminaren. Manche Anregungen haben wir ja schon übernommen, wie die Seniorenkantorei, Gospelchöre, Evensongs oder geistliche Jazz-Musik.

Was ist Ihr Lieblingslied im EG und welche Chorstücke/Komponisten mögen Sie besonders?

Da fragen Sie mich was! Ich mag viele Lieder im EG und darüber hinaus: von den Genfer Psalmen, über Luther-Lieder bis zu neueren geistlichen Liedern – wenn sie nicht flach sind. Das Projekt der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa evangelisches Liedgut immer mehrsprachig zu sammeln und zu singen finde ich gut, ich nutze das Gesangbuch: Colours of Grace. Chorstücke aus verschiedenen Epochen singe ich gern, zum Beispiel Johann Hermann Schein ‚Israelsbrünnlein‘, die Psalmen von Lili Boulanger , die Motetten von Hugo Distler oder Arvo Pärt oder Urma Sisak. Ich höre oft die geistliche Musik des unlängst verstorbenen Jazz-Bassisten Charlie Haden, zum Beispiel: In the Left Hand of God…Es gibt noch viel zu entdecken, zu üben und mit zu singen!

Anmerkung für Frau Schmidt: Die Fragen sollten sich optisch deutlich von den Antworten unterscheiden. Ich hatte zunächst fettdruck, aber Thomas meinte, das sei so „brutal“. Müssen wir einfach ausprobieren, wie es gut rauskommt, die Absätze verdeutlichen ja auch.

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