Nachruf Martin Gotthard Schneider

Am 3. Februar 2017 verschied der ehemalige Freiburger Landeskantor Martin Gotthard Schneider im Alter von 86 Jahren. Er starb in seiner Heimatstadt Konstanz, in der er am 26. April 1930 geboren wurde. Sein Leben und Wirken ist überlagert vom Lied-Hit „Danke für diesen guten Morgen“, hatte aber weit mehr Aspekte und Facetten.

(thr) Martin Gotthard Schneider stammte aus einem frommen Konstanzer Elternhaus. Seine Neigung zur Theologie und zur Kirchenmusik äusserte sich in einem Doppelstudium. Bereits 1957 legte er sein A-Examen ab und wurde 1958 nach Vikariat und Ordination, Religionslehrer in Freiburg. Diesen Beruf übte er bis 1970 aus. In diesem Jahr wechselte er in das Amt des Bezirkskantors in Freiburg und war an der Ludwigs- und Pauluskirche tätig. Bereits 1961 gründete er die Heinrich-Schütz-Kantorei und war bis zu seinem Wechsel auf die Bezirkskantorenstelle vielfältig als nebenberuflicher Kirchenmusiker tätig. Ab 1963 lehrte er an der Musikhochschule das Fach Liturgisches Orgelspiel und Orgelimprovisation, später auch Liturgik, Hymnologie, Gemeindesingen und theologische Information. 1973 wurde er Landeskantor für Südbaden und 1980 erfolgte die Ernennung zum Professor an der Musikhochschule Freiburg.
Neben seinen großen dienstlichen Verpflichtungen als Bezirks- und später Landeskantor komponierte, dichtete, dirigierte Schneider unermüdlich und gab viele Gastauftritte.

Vielen bleibt er in Erinnerung als charismatischer Kirchenmusiker, der mit spielerischer Leichtigkeit zum Singen animieren konnte, sei es im Chor oder bei offenen Singen und hochkirchlichen Anlässen wie Bischoffseinführungen - als begnadeter Organist, der jeden Gottesdienst mit Leichtigkeit und seiner Improvisationsgabe zu einem Erlebnis machte - als Prediger der theologische Tiefe, der mit konzentriertem Sprechen fesseln konnte. Seine Gabe, eine einfache und eindringliche Sprache in Wort und Musik zu finden verhalf auch seinen Liedern zu Popularität. So bleiben uns von ihm seine Lieder erhalten, zwei im Stammteil des Evangelischen Gesangbuches und neun im Badischen Anhang.

Sein letzter Lebensabschnitt war vom „Los-lassen-müssen“ geprägt. 1995 ging Schneider als Landeskantor in den Ruhestand. Noch bis 1997 war er Professor an der Hochschule und bis 2009 leitete er seine Heinrich-Schütz-Kantorei. Vertretungsdienste an den Tasten oder als Prediger hat er gerne übernommen und er erlebte dabei wie sich seine Kirchengemeinde, seine Kirche und wohl die ganze Gesellschaft für die er eine Leben lang gewirkt hat, großen Veränderungen unterworfen war.

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